• Jürgen schreibt für Michel

Seit 100 Tagen unterwegs

Seit letzten Montag ist der Zähler dreistellig. Zeit zu resümieren und ein erstes Fazit zu ziehen. Dazu mehr am Ende des Berichts. Zuerst wie gewohnt der Bericht der letzten Woche.



Ich hatte die Fahrradfahrerin schon länger bemerkt. Sie fuhr seit einiger Zeit geduldig hinter mir her. Der Weg um die Talsperre herum war schmal, verlief im Wald, so dass ein Überholen für sie nicht möglich war. Es schien sie nicht zu stören, sie drängelte kein bisschen.

Da vorne kam eine breitere Stelle. Ich ging zur Seite und ließ sie passieren. Sie hielt an um ein bisschen zu plaudern, da bemerkte ich dass ihr Knie blutig geschlagen war. Das Blut rannte ihr über die Waden. Das sah einigermaßen schlimm aus. Ich fragte, ob sie Hilfe brauche.

"Ach was!", winkte sie ab, "das ist kein Problem, tut auch nicht weh!" Sie erzählte mir, dass sie kurz vorher gestürzt wäre, versicherte mir aber, dass sie wirklich keine Hilfe bräuchte.

Sie fuhr weiter und ich hatte sie längst wieder aus dem Gedächtnis verloren, als mich zwei Tage später ein Mann in seinem Auto fahrend entdeckte, anhielt und mir erzählte, dass ihm seine Frau von mir berichtet hätte. "Sie wissen schon, die mit dem blutigen Knie!"

Es sind diese kleinen, aber kuriosen Begebenheiten, die immer wieder Abwechslung in meinen Wanderalltag bringen, und immer muss ich dann schmunzeln und frage mich, ob es nicht manchmal doch eine größere Macht gibt, die das alles so zusammenfügt.

Doch, wäre es nicht vermessen zu glauben, dass diese größere Macht nichts besseres zu tun hätte, als mir ein bisschen Amüsement zu bescheren? Also war's vielleicht doch nur Zufall.


Der schmale Pfad war angenehm zu laufen, keine nennenswerten Anstiege, ein schöner Singletrail durch den schattigen Wald, der immer wieder mal Ausblicke auf die Talsperre Muldenberg freigab.

Vaillant und ich waren wieder auf der Piste. Nach zwei Tagen Pause auf einem Campingplatz waren wir wieder voller Elan dabei.

Auf dem Campingplatz hatte ich uns zwei Tage Pause gegönnt. Als ich dort ankam, hatte ich Zweifel, ob ich überhaupt mit meinem Tragetier aufgenommen werden würde. Das war schließlich kein Bauernhof mit einer Weide nebendran, sondern ein schöner gepflegter Platz.

Deshalb bleibt mir die staunende junge Frau an der Rezeption gut in Erinnerung mit ihrer Bemerkung: "Das ist wohl das größte Haustier, das wir hier je hatten. Da weiß ich gar nicht was ich eintragen soll?!? - Ach was, lassen wir's einfach weg!"


Die Zeit auf dem Campingplatz wollte ich nutzen, um das Tragegestell nochmal ein bisschen zu modifizieren. Ich habe oben drauf immer so einen faltbaren Eimer stehen (der Gelbe, ist euch vielleicht auf den Bildern schon mal aufgefallen). Da transportiere ich immer unser Wasser drin, oder den Proviant, den ich unterwegs noch besorge, oder die vielen Karotten, die Vaillant geschenkt bekommt.

Auf jeden Fall war das immer eine etwas wackelige Angelegenheit und, je nach Inhalt, drückte der Eimer auch durch und auf Vaillants Rücken.

Ich fragte beim Platzwart nach Werkzeug und bekam - die ganze Werkstatt zur Verfügung gestellt! Jetzt brauchte ich nur noch etwas Material und lief mit Vaillant ins Ort zum Baumarkt. Dort traf ich auf eine Frau, die ich ebenfalls vom Campingplatz kannte. Die nahm das ganze Gerödel im Auto mit, so dass ich mit Vaillant ganz befreit zurücklaufen konnte.

Am Zelt lagen die ganzen Einkäufe schon parat und noch eine Flasche Bier oben drauf. Manchmal ging es mir so gut - ich fragte mich, wieso ich die Reise nicht schon viel früher angetreten habe.

Ich baute eine Aluplatte über die Querstreben und schraubte eine Plastikbox drauf, die in Zukunft die kleinen Sachen aufnehmen sollte. Kein Hexenwerk! Aber funktional.

Vaillant bespaßte derweil wieder mal die Kinder:



Der schmale Pfad neigte sich dem Ende zu, der Wald wurde lichter. Es lag eine gewisse Schwüle in der Luft und man konnte zuschauen, wie die Wolken sich zusammenzogen. Ein Gewitter zog auf. "Auf geht's, Vaillant! Komm, gib Gas!", trieb ich meinen Esel an. Auf der Wanderapp habe ich einen Pferdehof entdeckt, der gar nicht so weit weg war und den ich jetzt direkt ansteuerte.

Wider Erwarten kam ich da auch trocken an und fragte, ob ich hier übernachten könne. Der Mann war nicht abgeneigt und meinte ich könne im "Reiterstüble" übernachten. Ich müsse aber noch kurz warten, bis er hier im Stall fertig wäre. Ok, ich wartete. Als er dann kam, eröffnete er mir, das ich doch nicht im Reiterstüble übernachten dürfe, seine Tochter hätte etwas dagegen. Aber er wolle mich jetzt auch nicht wegjagen, ich könne da unter dem Vordach bleiben. Seine Tochter kam jetzt mit dazu und zeigte mir ihr Misstrauen unverhohlen. Sie hatte Angst, ich würde sie beklauen und verlangte, meinen Personalausweis fotografieren zu dürfen.

Normalerweise wäre ich jetzt weg gewesen. Angesichts des drohenden Gewitters willigte ich jedoch ein. Ich konnte mir es aber nicht verkneifen zu fragen, wo ich den das Diebesgut hätte verstecken sollen, und was sie meinten, wie ich meine Flucht hätte gestalten sollen. Schließlich kam ich nicht besonders schnell vorwärts und fiel auf wie ein bunter Hund.

Die Polizei hätte garantiert keine Hunde gebraucht, um mich zu finden. Innerhalb einer halben Stunde hätten sie mich gehabt!

Überhaupt waren die Leute da unsympathisch. Es wurde viel über Deutschland gejammert, über die Regierung geschimpft und über Ausländer gehetzt. Mir fiel sofort der Spruch mit den Arschlöchern im Osten wieder ein. Ich verbrachte die Nacht in der Hängematte unter dem Vordach, aber am anderen Morgen packte ich schleunigst meine Sachen und suchte das Weite...



Am Aussichtspunkt Schneckenstein legte ich eine Pause ein. Der Schneckenstein ist ein monumentaler Felsbrocken, der in der Mitte gespalten ist. Vielleicht sind es auch zwei Steine, so genau kann man das nicht sagen. Das Ganze ist etwas schwierig zu beschreiben, leider habe ich aber nicht daran gedacht, ein Bild zu machen. Deshalb habe ich mal eins im Internet "geklaut":


Quelle: Wikipedia

Man sieht, das das Gelände eingezäunt ist. Wenn man also auf die Aussichtsplattform will, kostet das Eintritt. 1,- € für Erwachsene, 0,50 € für Kinder. Tss, Ausverkauf der Natur nennt man sowas. Leider (oder Gott sei Dank) war der Fels heute geschlossen.

Kopfschüttelnd machte ich mich auf der naheliegenden Sitzgruppe breit. Ich ließ Vaillant grasen und genoss das Leben.

Und wie ich gerade so am genießen war, kam ein junger Wandersmann daher mit großem Gepäck. Das war Max.

Max ist 25, kommt aus dem Ruhrgebiet und ist von seiner Heimat losgelaufen bis nach Berlin. Von Berlin aus setzte er mit dem Zug über in die Sächsische Schweiz, kam mir jetzt auf dem Kammweg entgegen und wollte den Frankenweg bis an sein Ende laufen und dann weiter bis ins Allgäu. Also genau die Strecke, die ich jetzt gerade in anderer Richtung bewältigt habe.

Es entspann sich ein Fachgespräch unter Aussteigerexperten. Das war ganz anders, wie wenn man sonst mit den Leuten spricht. Wir konnten uns echt austauschen, verstanden genau, was der andere meinte, wenn er von seinen Problemchen und Erlebnissen erzählte.

Obwohl wir im Grunde auf die gleiche Art unterwegs waren (nämlich zu Fuß), unterschieden sich unsere Herangehensweisen doch erheblich. Während ich ständig mit Leuten ins Gespräch kam, Hilfe angeboten bekam und auch annahm, war Max eher introvertierter. Er war die meiste Zeit für sich, löste Probleme alleine und fragte nicht nach Hilfe. So kaufte er z.B. sein Wasser immer im Supermarkt oder er sparte mit dem Handyakku, da er kaum Möglichkeiten zum Laden fand. Deshalb navigierte er auch nicht per App, sondern ganz klassisch mit Karte.

Natürlich muss auch hier wieder erwähnt werden, dass mir Vaillant oft (immer) als Türöffner dient und ich es daher sehr viel leichter habe.

Jedenfalls verstanden wir uns sehr gut und irgendwie haben wir uns richtig verquatscht. Und obwohl Max an diesem Tag noch nicht viel gelaufen war und eigentlich noch weiter wollte, blieb er schlussendlich da und wir übernachteten gemeinsam an diesem schönen Platz.


Am anderen Morgen regnete es leicht, so dass wir beide es nicht eilig hatten, los zu kommen. Wir frühstückten ausgiebig, erzählten uns noch ein paar Geschichten und als wir dann fertig zum Abmarsch waren, war es bereits halb elf. Wir verabschiedeten uns herzlich und jeder ging seiner Wege.

Max, viel Glück auf deinem weiteren Weg. Komm gut an und nimm etwas mit aus dieser Zeit deines Lebens! Vielleicht ist es die beste, die du je haben wirst!




Kein Internet! Kacke! Orientierungslos laufe ich durch den Wald. Das Handy hatte zwar noch etwas Netzempfang, aber fürs Internet reichte es nicht mehr. Verdammt.

Ich verfluchte die Telekom, Vodafon und Konsorten, die nicht imstande sind, eine flächendeckende Netzabdeckung zu installieren. Deutschland rangiert da ja irgendwo zwischen Peru und Usbekistan auf Platz 182, oder so... (das habe ich nicht recherchiert! Wer genaue Zahlen kennt, bitte in den Kommentaren schreiben).

Ich hatte mich vom Hauptweg entfernt, um wieder mal einige Steigungen zu umgehen. Daher gab es auch keine Schilder, an denen ich mich hätte orientieren können.

Ich versuchte grob die Richtung zu finden und mehr oder weniger auf gut Glück zog ich los. Werde schon irgendwo rauskommen, dachte ich mir. Im Gegensatz zur Netzabdeckung ist Deutschland ja dicht besiedelt, eigentlich kann da gar nichts passieren.

Also flugs weiter, und da vorne an einer Kreuzung sah ich auch schon zwei Männer mit zwei Autos am Wegrand stehen, die ein Schwätzchen hielten. Die könnte ich nach dem Weg fragen, die sahen aus wie Förster oder Jäger, also kannten sie sich bestimmt hier aus.

Es waren tatsächlich Förster und sie konnten mir den Weg, der mich in die nächste Ortschaft führt, gut beschreiben. Erleichtert und neugierig auf die Typen geworden, fragte ich sie ein bisschen aus. Und weil ja morgen die standesamtliche Trauung meiner Tochter war, wo ich hinwollte, fragte ich sie unverhohlen, ob sie nicht nur einen Platz für eine Nacht wüssten, sondern wo ich Vaillant für zwei, drei Tage unterbringen könnte.

Der eine meinte, da müsse sich was machen lassen und zückte sofort sein Handy und wählte eine Nummer. Sein strahlendes Gesicht sagte mir schon während des Telefonats, dass es klappen würde.

Die beiden beschrieben mir den Weg und nicht nur das. Der andere Förster erklärte mir, er müsse heute noch nach Bayreuth und er könne mich mitnehmen, dann würde ich mir eine Bus- und Bummelbahnodysee bis dorthin ersparen. Er müsse aber schon in zwei Stunden los und würde mich dann bei Sandra abholen.

Sandra, das war die Tierärztin, bei der ich einchecken durfte. Ich brauchte noch eine gute Stunde bis dorthin. Sandra empfing mich freudestrahlend und sehr herzlich. Sicherheitshalber fragte ich noch mal nach, ob das denn alles auch so ok sei. "Ja klar", sagte sie, "mach dir um deinen Esel keine Sorgen. Ich pass gut auf ihn auf!"

Wir brachten Vaillant unter, ich besorgte ihm noch etwas Heu, packte meine Sachen aus und Sandra kochte noch schnell einen Kaffee. Kurz darauf klingelte auch schon der freundliche Förster, um mich abzuholen.

Das muss man sich mal vorstellen. Da treffe ich zwei Leute mitten im Wald und keine zwei Stunden später habe ich eine Unterkunft für den Esel und eine Mitfahrgelegenheit nach Bayreuth und eine mir bis dahin völlig unbekannte, wildfremde Frau erklärt sich bereit, sich um meinen Esel zu kümmern. Verrückt, oder?

An dieser Stelle, bevor ich es vergesse: Vielen lieben Dank, Sandra, du bist eine Seele von einem Mensch! Ich werde deine Hilfsbereitschaft nie vergessen.


Ich kam pünktlich in Bayreuth am Bahnhof an, und nach zweimaligem Umsteigen, konnte Kerstin mich um dreiviertel elf in Herrenberg am Bahnhof abholen.

So war ich am nächsten Tag rechtzeitig zu Hause, um bei der Trauung meiner Tochter dabei sein zu können.



PS: Dieser Bericht ist sehr textlastig. Ich habe mich in letzter Zeit einfach zu wenig ums Fotografieren gekümmert. Das wird wieder besser. Versprochen!



100 Tage - das Fazit


Vor über einhundert Tagen ist Michel mit Vaillant zu seiner großen Reise aufgebrochen. Wie bei Politikern, die einhundert Tage im Amt sind, denken wir, dass es an der Zeit wäre ein erstes Resümee zu ziehen. Wir haben das in Form eines Interviews gemacht. Ich (Jürgen) habe mit Michel am Telefon gesprochen und versuche hier seine Worte sinngemäß wiederzugeben.



Michel, vor über 100 Tagen bist du mit Vaillant in Aldingen zu deinem großen Abenteuer aufgebrochen. Was bleibt am eindrücklichsten bei dir hängen?


Am meisten hat mich die unglaublich hohe Hilfsbereitschaft und die Freundlichkeit der Menschen beeindruckt. Überall habe ich Hilfe bekommen, wenn ich sie nötig hatte. Fragen nach Übernachtungsmöglichkeiten wurden selten verweigert. Auch die kleinen Gespräche und die kleinen Gesten, die ich wirklich täglich erhalte, sind einfach super. Wenn man einfach so von wildfremden Leuten mal eine Banane, mal ein Bier oder auch mal fünf Euro geschenkt bekommt, ist das für mich sehr bewegend. Das ist das, was die Reise bis jetzt ausmacht und das finde ich sehr schön.



Welche Rolle spielt Vaillant dabei?


Vaillant fungiert tatsächlich als Türöffner. Wenn ich mit ihm irgendwo lang komme, drehen sich in der Regel alle Köpfe um. Wir fallen auf und Vaillant ist ein echter Sympathieträger. Jeder findet ihn süß oder knuddelig oder einfach cool. Die Leute sprechen mich vor allem wegen ihm an und man hat dann gleich ein Thema. Alles weitere ergibt sich dann im Gespräch.

Leute, die sich nicht für uns interessieren, ignorieren mich einfach. Negative Äußerungen gab es, waren aber sehr selten - die Geschichte mit dem Landwirt mit der Motorsense habt ihr ja gelesen. An manchen Tagen ist es schon so, dass sich niemand für dich interessiert, aber an anderen kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie nett die Leute sein können.

Ohne Vaillant wäre es sicher viel schwieriger. Das zeigt auch die Geschichte mit Max, dessen Leistung sicher nicht schmäler ist als meine, er aber deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt.



Ich war ja selber schon ein paar Tage mit dir unterwegs und konnte erleben, wie oft man wirklich angequatscht wurde. Geht dir das nicht manchmal auf den Geist?


Um ehrlich zu sein: Ja, manchmal schon. Ich versuche aber immer, der Freundlichkeit auch freundlich zu begegnen. Die Leute meinen es ja nicht böse. Wenn du aber zum hundertsten Mal am Tag die gleiche Story erzählst, kann die Antwort auch mal ein bisschen kürzer ausfallen.



Vor der Reise hatten wir ja über dieses Thema Hilfsbereitschaft der Leute etc. schon öfters gesprochen. Die meisten waren der Meinung, dass das bei den spröden Deutschen noch zurückhaltend sein wird. Du selber warst immer optimistischer.

Hat dich diese Welle der Freundlichkeit und Offenheit dennoch überrascht.


Ja, schon. So krass hätte ich das wirklich nicht erwartet. Aber irgendwie habe ich doch mit meinem Optimismus recht behalten (lacht).



Wir haben in deinen Berichten gelesen, dass du oft nicht so gut vorankommst, wie ursprünglich gedacht. Bist du mit deiner Gehleistung zufrieden?


Es ging nie darum, irgendwelche Rekorde aufzustellen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das ursprünglich ausgegebene Ziel China habe ich auch deshalb schon vor Beginn der Reise zu einem unbestimmteren "Fernost" aufgeweicht. Wir kommen so weit, wie wir kommen. Ich werde nicht enttäuscht sein, wenn ich nie an der chinesischen Grenze ankomme. Um deine Frage zu beantworten: Ja, ich bin zufrieden. Wir sind in hundert Tagen tausend Kilometer gelaufen. Das sind 10 Kilometer am Tag. Das ist so weit von meinen ursprünglichen Vorstellungen nicht entfernt.



Dennoch tut sich Vaillant mit den bergigen Streckenabschnitten schwer - schwerer als gedacht. Wird das Einfluss auf deinen weiteren Routenverlauf haben?


Ja, sehr sicher sogar. Ich werde jetzt bald Deutschland in Richtung Tschechien verlassen. Da wartet jetzt die Sächsische Schweiz, die Böhmische Schweiz, das Iser- und Riesengebirge auf mich. Danach kommen die südwestlichen Karpaten, die dort mit Gipfelhöhen über 2500 m am höchsten sind. Das ist dann richtiges Hochgebirge, wie in den Alpen. Das wird wahrscheinlich so nicht gehen und ich werde wohl großräumig ausweichen müssen.

Dieses Thema beschäftigt mich zur Zeit am meisten. Ich bin gerade dabei zu überlegen, wie ich meine Route entsprechend abändern könnte. Ich könnte einfach weiter südlich laufen. Das ist dann aber eine ewige Tiefebene, langweilige Landschaft und auch sehr heiß. Irgendwas dazwischen wäre super. Da arbeite ich gerade noch dran.



Du hast dein Gepäck stark reduziert, um es Vaillant leichter zu machen. Kannst du das nochmal erläutern.


Ich habe das Tragegestell mehrfach abgeändert, um es besser an Vaillants Körper anzupassen. Das hat schon viel geholfen. Dann habe ich mein Gepäck reduziert, ja. Ich habe schweren Herzens die große Kamera, die Drohne, eine Powerbank und noch ein paar Sachen aussortiert. Das hat nicht nur am Gewicht etwas gebracht, sondern jetzt kann ich auch alle Sachen in den Packtaschen unterbringen. Das heißt, ich hab nichts mehr oben drauf, was in Sachen Schwerpunkt und Gleichgewicht deutliche Vorteile bringt.

Mit der zuletzt angebrachten Plastikbox oben auf dem Tragegestell bin ich jetzt insgesamt ziemlich zufrieden.

Es geht eigentlich auch immer ganz gut. Einzige Schwierigkeit ist, dass beim Bergablaufen das ganze Tragegestell nach vorne rutscht - da kann ich den Gurt anziehen, wie ich will - und das ganze Gewicht auf Vaillants Schultern lastet, was er alles mit den Vorderbeinen abfangen muss. Hier habe ich noch keine Lösung gefunden.



Du hattest anfangs oft Besuch von Freunden oder von der Familie. Jetzt, wo du weiter weg bist, sind solche Besuche nicht mehr so einfach. Du bist jetzt viel mehr alleine. Wie geht es dir dabei?


Ich habe die Zeit anfangs, wo der Besuch noch möglich war, sehr genossen. Die Erlebnisse meiner Reise mit meiner Familie und meinen Freunden zu teilen, hat sehr viel Spaß gemacht. Ich wollte das ausnutzen, so lange es ging.

Jetzt ist es schwerer, man muss sich den Problemen alleine stellen. Aber auch das macht die Reise aus. Zugegeben - gerade habe ich etwas Heimweh. Aber es lässt sich noch aushalten und bald darf ich ja zur Hochzeit von Annalena nach Hause (lacht).



Michel, vielen Dank für das Interview. Viel Glück, Gesundheit und Erfolg auf deinem weiteren Weg!


Sehr gerne. Danke.




Wenn ihr, liebe Blogleser, noch Fragen an Michel habt, könnt ihr die gerne stellen. Am besten über die Kommentarfunktion, dann haben wir alle was davon.






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