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  • Jürgen schreibt für Michel

Wir laufen wieder

Meine Winterpause ist vorüber. Seit Montag bin ich wieder auf Schusters Rappen unterwegs - und Vaillant auf Hufschmieds. Durch die Ukraine- Krise hat sich eine größere Änderung bei der Routenwahl ergeben. Doch zuerst ein kurzer Rückblick auf die Zeit bei Lacá und seinem Team Juhasz.



Seit Ende November habe ich nun Lacás Gastfreundschaft ausgenutzt. Dabei hatte ich aber nie das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Und natürlich habe ich mich auch revanchiert.

Wo immer es nötig und möglich war, habe ich mit Hand angelegt. Und Lacá war auch froh, dass er in mir einen Fachmann für das Thema Tiefbau hatte. So habe ich zusammen mit den Mitarbeitern dort einige Gräben gezogen, für Kabel und vor allem Wasserleitungen. Manchmal kam dabei bei mir wieder der alte "Kampfgeist" durch. Es konnte nicht schnell genug gehen und wenn Material fehlte, ärgerte es mich, dass Lacá es nicht rechtzeitig besorgt hatte. Lacá ist da eher so der "komme ich heute nicht, komme ich morgen"- Typ.

Ich habe es dann aber - ganz im Sinne meiner neu gewonnenen Gelassenheit - geschafft, das Ganze nicht zu verbissen zu sehen und hab dann halt was anderes gemacht. Oder auch mal nichts. Immer gechillt bleiben...


Vaillant ging es auf der Ranch auch sehr gut. Er hat sich mit ein paar einjährigen Fohlen angefreundet und sehr gut verstanden. Vaillant genoss die Ruhepause sichtlich. So konnte ich guten Gewissens Anfang Dezember für einen Heimatbesuch nach Hause fahren und Vaillant bei Lacá zurücklassen. Aus dem Heimatbesuch wurden dann satte sechs Wochen. Erst Mitte Januar bin ich wieder zurückgefahren. Mir hat die Zeit zu Hause sehr gut getan. Ich geb's zu, nach den kalten letzten Wochen unterwegs, hatte ich ein bisschen Heimweh und es war ein tolles Gefühl in gewohntem Umfeld zu sein und mit meinen Liebsten Weihnachten und Silvester feiern zu können.


Als ich dann im Januar zurück war, hat mich Vaillant mit dem Arsch nicht mehr angeschaut. Er kam zwar her, ließ mich aber deutlich spüren, was er davon hielt, ihn hier einfach im Stich zu lassen. Das währte jedoch nicht lange, schon am zweiten Tag ließ er sich wieder kraulen und massieren und die Freude, mich zu sehen, bekam Überhand.



Ich war erleichtert. Hatte ich doch meinen Kumpel auch ziemlich vermisst. Ein bisschen Bammel hatte ich auch vor dem Wiedersehen. Irgendwie hatte ich schon erwartet, dass er etwas zickig reagieren würde, aber jetzt waren wir wieder zusammen, das unzertrennliche Team.


Ist ganz schön zottelig geworden

Damit es Vaillant nicht zu langweilig werde, wollte ich versuchen, ihm das Kutschenziehen beizubringen. Immerhin hatte ich hier ja viele Fachleute an der Hand. Wenn die etwas hier konnten, dann Kutschen fahren.

Ein weiterer Hintergedanke war auch dabei. Ich rechnete mir aus, dass, je weiter ich nach Osten komme, desto schwieriger wird es sein, Wanderwege zu finden. Man wird dann viel auf Straßen laufen müssen. Vielleicht wird es dann einfacher sein, Vaillant vor einen Karren zu spannen, um so besser "im Verkehr mitzuschwimmen".

Dies könnte so ab der Türkei eine Alternative sein. Und wenn Vaillant jetzt schon lernte, damit umzugehen, konnte das nicht schaden.



So richtig ernst habe ich aber auch das nicht genommen. Über die Übung mit den Zügeln im Wald sind wir nicht heraus gekommen. Tatsächlich habe ich Vaillant bis heute nicht ein einziges Mal in eine Kutsche eingespannt. Das kriegen wir dann schon hin, wenn wir es dann wirklich mal brauchen. Immer gechillt bleiben...


 

Der Boden bebt vom Getrampel der Pferde, die Luft erzittert vom Wiehern und Stauben, Pistolenkugeln pfeifen durch die Luft. Die Pferde rasen schweißgebadet und mit aufgerissenen Augen an mir vorbei. Die daran hängende Kutsche schlingert in den Kurven, während der Kutscher die Pferde verzweifelt mit der Peitsche antreibt, um den Verfolgern zu entkommen.

Solche oder so ähnliche Bilder hatte ich im Kopf, als Lacá mich einlud, einen Tag am Filmset mit dabei zu sein. Lacá und sein Team Juhasz trainiert ja Pferde und Reiter für Filmaufnahmen. An diesem Tag half ich, eine Kutsche für die Anforderungen des Regisseurs umzubauen, und Lacá fragte, ob ich nicht Lust hätte, mir das anzuschauen.

Natürlich hatte ich Lust. Und was soll ich euch sagen, so, wie ich mir das ausgemalt hatte, war das nicht. Nicht mal annähernd. Es war total unspektakulär, ja ich würde sogar sagen: stinklangweilig!

Die meiste Zeit stand man nur am Set herum und hatte Pause. Endlich waren unsere Leute dran mit einer Pferdeszene. Aber die Pferde liefen nur im Schritt über einen Platz und eine Kutsche fuhr langsam durchs Bild. So richtig zum Gähnen.



Der Film hieß "Shadow Bone - Teil II". Der erste Teil lief bereits erfolgreich auf Netflix. Ist irgend so ein Fantasy- Abenteuer- Film. Ich kannte den nicht, was nicht viel bedeutet. Ich bin kein großer Filmegucker. Vielleicht wisst ihr ja mehr damit anzufangen.


Interessant war es auf jeden Fall schon, mal hinter die Kulissen schauen zu dürfen. Ich war dann auch noch zwei oder dreimal dabei.

Einmal wollte ich die Kulisse eines Schiffes fotografieren, das dort mitten auf einer Wiese stand. Da wurde ich sogleich von einem Security- Typen zurück gepfiffen. Voll aufgeregt verlangte er meine Zutrittsberechtigung zum Set zu sehen, die ich natürlich nicht hatte. Lacá kam dann aber sofort herbeigeeilt und glättete die Wogen wieder. Und das Bild habe ich trotzdem gemacht:



Spektakulärer dürfte das nächste anstehende Filmprojekt werden. Da werden auf Lacás Hof gerade Pferde dafür trainiert über andere tote Pferde und Menschen drüber zu steigen, was für ein Pferd nicht einfach ist. Die toten Pferde und Menschen waren natürlich nur Attrappen. Wird wohl ein Kriegsfilm oder so werden.



 

Aus Deutschland kam ein Anruf von der "Schwäbischen Zeitung". Birga Woytowicz wollte mich interviewen für ihre Podcastreihe "Alles Tutti". Da werden vierzehntäglich aktuelle Themen aufgegriffen und besprochen. Manchmal kommt auch was Skurilles. Da haben sie dann an mich gedacht.

Ich habe zugesagt. Und am Tag des Interviews war ich dann auch sehr aufgeregt. Für mich ist sowas immer noch was besonderes, obwohl ich jetzt schon einige Male interviewt worden bin.

Und ich denke meine Aufgeregtheit kann man dann auch hören. Für mich ist es sowieso immer komisch meine eigene Stimme zu hören. Geht Euch das nicht auch so?

Wer es sich anhören mag, hier ist der Link zum Podcast.



 

Die Tage und Wochen zogen ins Land. So lange wollte ich eigentlich gar nicht bleiben, aber Ruck Zuck ist es jetzt Ende Februar geworden.

Die Tage wurden wärmer und in mir erwachte wieder der Drang Neues zu entdecken und unterwegs zu sein. Die Wanderlust packte mich wieder.

Ich fragte Vaillant, was er davon hielt mal wieder weiter zu laufen. Sein "Iii- aahhh" interpretierte ich mal als "Ja" und so begann ich mit den Vorbereitungen zum Aufbruch.


Und wie immer, wenn man meint alles wäre gut, kommt irgendeiner und macht einem einen Strich durch die Rechnung. In diesem Fall in Gestalt eines Ex- KGB- Schnüfflers namens Putin, der es leider geschafft hat, die gesamte Macht über Russland an sich zu reißen.

Dieser Herr Putin hat bekanntermaßen Ende Februar die Ukraine überfallen, was nicht nur mich schockierte. Doch hatte das nun auch Auswirkungen auf meine weiteren Routenplanungen.

Die Ukraine selber steht zwar nicht auf der Liste der Länder, die ich durchqueren will, jedoch weiß man ja nicht was Putin noch alles vorhat und was passiert, wenn er mit der Ukraine "fertig" ist. Will er seine Macht noch weiter ausweiten? Nimmt er sich dann auch Moldau? Und was ist dann mit den anderen Ländern am Schwarzen Meer? Stehen Rumänien und Bulgarien auch auf seiner Abschussliste? Ist er tatsächlich bereit, die Nato anzugreifen? Man weiß es nicht. Aber mich beschlich so ein Gefühl, dass es besser wäre, sich von diesen Ländern fernzuhalten.

Die Türkei erscheint mir noch als relativ sicher, aber natürlich weiß man auch da nicht, wie sich Präsident Erdogan verhalten wird.

Nach langem Überlegen und Hin und Her, fasste ich den Entschluss nach Süden auszuweichen. Doch genau im Süden liegt Serbien. Serbien als nicht EU- Land und Freund Russlands, wollte ich ja schon von Anfang an meiden.

Also bleibt mir nichts übrig, als einen Bogen nach Westen zu schlagen und über Slowenien, Kroatien, Montenegro nach Nordgriechenland zu kommen und von dort Richtung Bosporus in die Türkei einzureisen.

Wie das mit der Türkei weitergeht, ob das dann überhaupt möglich sein wird, wird sich erst dann entscheiden. Das sind ja jetzt erstmal ein paar Monate Fußmarsch bis ich dort bin und dann werden wir sehen.

Meine neue grobe Routenplanung sieht also so aus:



Die helle himmelblaue Linie ist die beschriebene Route. Dort wo das Wort "Hungary" steht ist mein Standort, also Lacás Hof. Der dunkelblaue gerade Strich Richtung Westen ist das Stück, das ich mich von Lacá mit einem Hänger für Vaillant umsetzen lasse. Dann befinde ich mich am Plattensee und von dort startet meine Weiterreise ins zweite Jahr meines großen Abenteuers.


Wie es weitergeht und wie es mir und Vaillant dabei ergeht, erfahrt Ihr natürlich hier im Blog.


An dieser Stelle ein sehr großes und herzliches Dankeschön an Lacá und sein ganzes Team! Ihr habt mich nicht nur aufgenommen, sondern auch meinen Esel während meiner Abwesenheit bestens versorgt. Ich weiß gar nicht, wie ich soviel Gastfreundschaft jemals wieder gutmachen kann.

Vielen Lieben Dank dafür und Euch alles Gute!








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