• Jürgen schreibt für Michel

Die Reise hat begonnen

Kleine Verabschiedung. Schöner erster Tag. Der zweite Tag etwas holprig...


Nach stressigen Tagen mit letzten Vorbereitungen, Einlagern meiner Sachen und schließlich Packen der Satteltaschen, freute ich mich sehr, dass es jetzt endlich beginnen würde. Am Samstagmorgen kamen ein paar wenige Freunde und meine Familie zusammen, um mich "auf den Weg zu bringen".

Coronabedingt musste die geplante größere Abschiedsfeier leider ausfallen. Deshalb trafen wir uns ganz ohne Brimborium auf dem Hof der Fa. Haller in Aldingen (der Stihl- Händler), wo mein Esel nebenan auf der Weide untergebracht war. Umarmungen waren tabu, aber dennoch konnte der eine oder andere sich ein Tränchen nicht verdrücken.

Meine Tochter und mein Schwiegersohn in spe würden mich auf der ersten Etappe begleiten, meine Freundin Kerstin sollte uns in Gosheim am Parkplatz unter dem Lemberg wieder treffen, damit sie mich dann am zweiten Tag noch ein Stück begleiten könne.


Vaillant wäre startklar

Vom Nagelsee ging es durch Aldingen, über den berüchtigten Bahnübergang, wo wir schon mal eine etwas heikle Situation hatten, nach Denkingen. In Denkingen durften wir dann bei meinem Freund Rudi noch eine kurze Kaffeepause machen.

Dann weiter nach Gosheim, wo Kerstin schon auf uns wartete.



Dieses Mal hat es besser geklappt

Auf nach Denkingen

...und schon geht's weiter nach Gosheim

Anna- Lena und Manuel

Na Looos! Komm schon!

Den Abend ließen wir dann gemütlich mit einer schönen heißen Suppe vor Kerstins Womo ausklingen.


Der Sonntag begann für mich, wohl auf längere Zeit zum letzten Mal, komfortabel. Die Nacht in Kerstins Wohnmobil war ruhig und entspannt. Zur Stärkung gab es noch ein Frühstück, danach machten wir uns auf den Weg.

Anna- Lena und Manuel verließen uns, sie wurden von Manuels Bruder abgeholt. Die Verabschiedung war sehr herzlich und ...schon wieder diese Tränchen.


Vaillant war auch schon bereit. Also aufgesattelt, Gepäck drauf und los. Kerstin würde mich heute noch ein Stück begleiten, wir starteten bergauf Richtung Lemberg.

Und hier begannen die Probleme. Vaillant wollte nicht bergauf laufen. Obwohl wir ja schon oft unterwegs waren, auch mit Gepäck und auch bergauf, die Last, die er jetzt auf dem Rücken hat, ist einfach noch ungewohnt. Und jetzt auch noch dieses steile Stück hoch zum Lemberg. Vaillant rutschte, konnte nicht richtig ausbalancieren. Die Packtaschen schwappten hin und her und zapp - lagen sie auf dem Boden.

Hm, doof! Vaillant bockte, die Taschen hingen halb herunter, halb am Gurt. Der Gurt selber auch total verrutscht. Ich hatte größte Mühe, die Situation wieder in den Griff zu kriegen. Erstmal Eselchen beruhigen, dann die Taschen ab, die Vergurtung neu richten und festzurren. Die Taschen neu packen und noch etwas besser sortieren und wieder dran. Das alles in steilem Gelände. Puh, das ging ja gut los!


Weiter ging's und da lag ein Baumstamm quer über den Weg. Oh je, schon wieder so ein unüberwindbares Hindernis, dachte ich. Ich ging langsam ran, stieg über den Stamm in der Hoffnung, Vaillant würde es mir gleich tun. Ich bereitete mich darauf vor, Vaillant bittend und bettelnd über den Stamm locken zu müssen, aber manchmal überrascht so ein Provence- Esel einen auch. Vaillant nahm zwei Schritte Anlauf - und hopp, in einem Satz über den Stamm! Mitsamt dem ganzen Gepäck! Respekt, Eselchen!

Die Taschen lagen zwar nun wieder auf dem Boden, aber nicht ganz so schlimm wie vorher. Lachend sattelte ich wieder auf und kurze Zeit später erreichten wir das Plateau.


Oben benötigten wir erstmal eine Verschnaufpause, schließlich hatten wir jetzt schon satte 800 m hinter uns gebracht!

Vaillant war kaputt und legte sich erstmal hin. Beim Ausruhen freundete er sich mit zwei jungen Mädchen an.



Die Leute kamen auf uns zu und sagten: "Hallo, Sie sind doch der Typ aus der Zeitung!"

Ist schon irre, welche Resonanz der Artikel in der Schwäbischen Zeitung verursacht hat. Es kam immer wieder zu netten Begegnungen und Gesprächen, auch gestern schon. Auch auf der Webseite ist ein regelrechter Ansturm zu verzeichnen.

Vielen Dank an dieser Stelle an die SZ und Regina Braungart für diesen tollen Artikel! Und vielen Dank natürlich auch an alle Interessierten, die sich für meine Reise begeistern und mir die Daumen drücken. Sprechen Sie mich unterwegs ruhig an, ich freue mich über jedes nette Gespräch.


Natürlich sind wir auch noch auf den Aussichtsturm geklettert. Die Mädchen passten auf Vaillant auf.



Werde dich vermissen, Schnuckel!

Weiter gings über den Bergrücken Richtung Oberhohenberg. Der Weg verläuft bergauf, bergab, mal etwas steiler mal weniger steil. Das Tragegestell schwankte schon wieder bedrohlich, es ging aber alles gut. Auf jeden Fall werde ich mir aber was überlegen müssen, wie ich das besser in den Griff kriege. Solche anspruchsvolleren Passagen werden ja immer wieder kommen. Vielleicht muss ich das ganze Packkonzept nochmal überdenken.

Die Hängebrücke vor der Ruine Oberhohenberg umging ich mit Vaillant, Kerstin ist mit ihrem Hund Mitschy drüber. War für die Hündin auch herausfordernd, sie hat sich es überlegt, ist dann aber voller Vertrauen in ihr Frauchen tapfer drüber gelaufen.

Über die Ruine gings auf der anderen Seite in Serpentinen steil bergab bis zur Grillhütte beim Wanderparkplatz Oberhohenberg.

Alles hat gehalten, bis kurz vor dem Ziel, es waren noch höchstens 50 m, die Taschen wieder runterrutschten. Leicht gefrustet ließ ich die Taschen liegen, brachte Vaillant bis zur Hütte. Ich entschied, die Nacht hier zu verbringen.

Kerstin musste los, sie musste ja den ganzen Weg wieder zurück laufen. So kam jetzt also der letzte - und wohl schwierigste - Abschiedsmoment. Schon wieder Tränchen.


Kerstin war weg, ab jetzt bin ich alleine. Ich ging die Taschen holen und brachte sie zur Hütte. Da hörte ich:


"Sie sind doch der Herr Rinderle?"

Ein Mann stand hinter mir und erzählte mir begeistert, wie er den Artikel in der Zeitung gelesen hat und dass er selber zwei Esel besitzt und mit diesen selber schon längere Wanderungen unternommen hätte.

Es entspann sich ein schönes längeres Gespräch und er half mir noch das Tragegestell runter zu machen und die Taschen aufzuräumen. Diese Probleme mit den Taschen hätte er auch immer, das sei halt so. Hm, kein ermunternder Ratschlag.

Wir plauderten noch ein bisschen über Gott und die Welt, aber vor allem über Esel. Das war ein versöhnlicher Abschluss für diesen doch etwas holprigen Tag.

Die nächsten Tage soll es kalt werden und Schnee geben. Ich werde Vaillant zuliebe, nicht über die Höhenrücken gehen und eher unten bleiben. Wo wir dann später wieder auf die Hochebene steigen, werden wir sehen...



Feierabend! Fellpflege... das juckt!

Mein Nachtlager




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